Mein Traum von Japan
Nachdem ich also das beste Wörterbuch gekauft hatte, konnte ich mich jeden Tag gut auf die Prüfung vorbereiten. Es war ein Programm, in dessen Rahmen man ein Stipendium bekommen würde, um in Japan ein Jahr lang zu studieren. Natürlich war das Flugticket auch darin enthalten. Über das Visum brauchte ich mir keine Sorgen zu machen. Ich erzählte hier bereits, wie das erste Mal war. Heute geht es um das zweite Mal.
Also, jeden Tag stand ich auf und fing an, in meinem Zimmer zu lernen. Es war mir egal, ob ich frühstückte oder nicht. Ich glaube auch, dass ich gar keinen Hunger hatte, als ich aufwachte.Das Einzige, woran ich denken konnte, war, viele Wörter zu lernen. Ich machte das viele Monate lang und im Ergebnis konnte ich viel mehr verstehen und schließlich eine bessere Note bekommen.
Die erforderliche Mindestnote
Also, diese (sehr schwierige) Prüfung war schriftlich. Wer, der eine gute Note bekommen könnte, vermöchte zu der nächsten Phase zu gehen: eine mündliche Prüfung. Aber bevor ich darüber etwas erzähle, lassen Sie mich erklären, was "gute Note" bedeutet. Es gab eine erforderliche Mindestnote.
Um zu der nächsten Phase übergehen zu können, musste man als Minimum eine bestimmte Note erlangen. Ich kann mich nicht mehr gut daran erinnern, ob es 50 % oder 60 % waren. Wer diese Note erreichte, würde eine mündliche Prüfung machen dürfen. In diesem Jahr (2001) erreichten diese Note nur zwei Studenten, darunter auch meine Wenigkeit. Lassen Sie mich diesen anderen Studenten "E" nennen.
Beim gefoltert werden
Also, nur E und ich machten die mündliche Prüfung und wir beide haben sie bestanden. Der Mitarbeiter des Konsulats sagte uns, dass wir bestimmte Dokumente aus der Uni mitbringen sollten, nachdem sie übersetzt worden wären. Wir mussten uns auch einer Untersuchung unterziehen und das Ergebnis einreichen. Er sagte auch, dass das Konsulat alle Unterlagen nach Japan schicken würde.
Das war im April , aber das Ergebnis würde erst im August vorliegen. Kurz gesagt: Vier Monate Wartezeit bzw. "gefoltert" werden. Ihr denkt wohl, dass ich hier ein wenig übertreibe! Was ich euch noch nicht gesagt habe, ist, dass er uns auch etwas Störendes gesagt hat. Seinen Worten nach könnte es nämlich sein, dass entweder wir beide (E und ich) zusammen nach Japan fliegen würden oder aber nur einer oder sogar keiner! Dies würde nämlich von der Anzahl der Stipendiaten aus ganz Brasilien abhängen.
Enttäuschung und Traurigkeit
Aus diesem Titel könnt ihr schon entnehmen, welche Antwort ich wohl bekommen habe. An einem Tag im August rief der Mitarbeiter des Konsulats mich an, um mir mitzuteilen, welche Entscheidung getroffen worden war. Viele Monate wartete ich auf diese Antwort, ohne zu wissen, was ich tun würde, wenn ich dieses Stipendium nicht bekommen würde.
Wie ich euch bereits erzählte, hatte ich mir die allergrößte Mühe gegeben, um dieses Ziel zu erreichen. Als ich den Anruf erhielt, saß ich wie auf glühenden Kohlen. Leider musste ich genau das vernehmen, was ich niemals hatte hören wollen.
Der Mann sagte mir, dass nur einer von uns nach Japan fliegen könnte: Der, der die höchste Note bekommen hatte. Von Anfang an wusste ich, dass meine Note nur die zweitbeste Note gewesen war (gestern habe ich vergessen, das zu erwähnen).
Also, das bedeutete, dass E nach Japan fliegen würde, um dort ein Jahr lang zu studieren. Das klingt fair, da er die höhere Note bekommen hatte. Aber ich bin anderer Meinung. Vielleicht werdet ihr mit mir darin übereinstimmen, nachdem ihr gelesen habt, was ich über E zu sagen habe (und dies ist kein Klatsch).
Unlauterer Wettbewerb
Also, E fing an, an der gleichen Uni zu studieren, und zwar ein Jahr nach mir (ich begann 1998 und er 1999). Aber das bedeutete nicht, dass mein Japanisch besser als seins/seines gewesen wäre. Ganz im Gegenteil! Nicht bloß beherrschte er Japanisch bereits fließend, sondern er brauchte ein solches Stipendium auch gar nicht. Es stellte sich heraus, dass seine Eltern Japaner waren. Das heißt, er war nicht japanischer Herkunft, so wie einige Brasilianer es sind. Er war japanischer Staatsbürger.
Um sich für dieses Stipendium bewerben zu können, war es verpflichtend, brasilianischer Staatsbürger zu sein. Da er sich darum bewerben konnte, bedeutete dies, dass er einen brasilianischen Reisepass besaß. Wenn er also auch Brasilianer war, dann hatte er das Recht, sich darum zu bewerben. Er trägt keine Schuld daran. Das Problem waren, nach meiner Meinung, die Kriterien für dieses Stipendium.
Es gibt auch viele Leute, die beide Reisepässe haben, den brasilianischen und den japanischen, obwohl dies gegen das japanische Gesetz verstößt. Ich kann nicht genau sagen, ob dies bei ihm der Fall war, aber er lebte wohl 5 Jahre lang in Japan, bevor er anfing, in Brasilien an der Uni zu studieren. Seine Eltern waren Japaner und er lebte 5 Jahre lang bei ihnen in Japan. Warum wollten seine Eltern ihren Sohn nicht amtlich eintragen lassen? Hat er als Brasilianer dort mit einem Visum gelebt? Das glaube ich nicht.
Also, er lernte Japanisch nicht nur durch seine Eltern, was alleine schon ausreichend gewesen wäre, sondern er lebte darüber hinaus auch 5 Jahre lang in Japan. Er ging in eine japanische Schule, hatte japanische Freunde und erlernte die Sprache bereits seit seiner frühesten Kindheit. Wie konnte eine Person wie ich, die nicht japanischer Herkunft war und die niemals in Japan gelebt hatte, sich mit jemandem wie ihm in einem solchen Wettbewerb behaupten?
Ich sollte auch erwähnen, dass E bereits das höchste Niveau der Japanisch-Sprachprüfung JLPT bestanden hatte, bevor er überhaupt anfing, an der Uni zu studieren. Um meine Meinung ganz unverblümt zu sagen: Nicht nur brauchte er dieses Stipendium überhaupt nicht, sondern er hat anderen Menschen auch die Möglichkeit gestohlen, diese Erfahrung machen zu können. Also entweder er oder aber die Menschen, welche die Entscheidung trafen, ihm dieses Stipendium zu geben.
Darüber hinaus möchte ich doch annehmen, dass ein Land doch wohl deshalb beschließt, Stipendien an ausländische Studierende zu vergeben, weil es seine Sprache und Kultur verbreiten möchte. Wie sollte Japan dies erreichen können, wenn es jemandem wie ihm ein solches Stipendium gibt? Das ergibt doch alles keinen Sinn! Er sprach bereits fließend Japanisch, er lebte in Japan und auch seine Eltern waren Japaner, Herrgott noch mal! Und ich sage dies nicht nur meinetwegen, sondern auch wegen all derer, die, wie ich, niemals im Ausland hätten studieren können, ohne ein solches Stipendium zu bekommen zu können.
Also, obwohl ich der Meinung war, dass mir hier eine Ungerechtigkeit widerfuhr, habe ich mich bei dem Konsulat nicht beschwert. Alles, was ich hier schreibe, behielt ich damals für mich.
Nachdem ich die Nachricht vernommen hatte, legte ich den Hörer auf die Gabel zurück. Ich fühlte mich am Boden zerstört und fing hemmungslos an zu weinen. Es war, als ob meine ganze Mühe umsonst gewesen wäre. Ich erinnere mich daran, dass ich es meiner Mutter erzählte. Sie versuchte, mich aufzumuntern, aber es war sehr schmerzhaft.
Aber, hätte ich nun tun können? Das Leben ist halt so. Leider ist es nicht immer so, wie wir gerne möchten, dass es sein möge. Es ist nicht immer gerecht. Ich stand nun unter tiefem Schock, aber ich musste nun überlegen, was als Nächstes getan werden musste. Ich musste wieder auf die Beine kommen. Das Problem war, dass ich bereits in meinem letzten Jahr an der Uni war. Nach dem Studienabschluss hätte ich mich nicht mehr bewerben dürfen.
Man muss hartnäckig sein, wenn man etwas erreichen will
Also, Selbstmitleid zu haben, die Opferrolle zu spielen, im Bett zu weinen - nichts von alledem hätte mich zu irgendetwas Gutem geführt. Ich fühlte mich, als hätte ich keinen Boden mehr unter meinen Füßen, aber ich musste nun reagieren und überlegen, was zu tun wäre. Tatsache war, dass mein 7. Semester noch bevorstand. Ich glaube, dass mir lediglich noch 6 Fächer fehlten, um mein Studium abzuschließen. Ich musste aber nicht unbedingt alle Fächer in diesem Semester belegen. Deshalb entschied ich mich dafür, mich in diesem Semester nur für 2 Fächer anzumelden. Indem ich das tat, könnte ich ein Jahr länger an der Uni studieren. Mit anderen Worten, ich verschob den Abschluss meines Studiums, sodass ich im nächsten Jahr die Stipendiums-Prüfung noch einmal machen könnte.
Also, ich musste hartnäckig sein, um mein Ziel erreichen zu können. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Es lohnte sich, mich so sehr anzustrengen. Ich fuhr fort, fleißig Japanisch zu lernen. Jeden Tag lernte ich viele Stunden lang. Es war nicht schwer, weil ich es mir sehr stark wünschte. Außerdem hatte ich auch viel Spaß dabei. Die Gelegenheit war einzigartig und ich hatte auch gar kein Geld, um auszugehen und draußen etwas zu machen, selbst dann nicht, wenn ich es gewollt hätte. Zu Hause zu bleiben stellte für mich kein Opfer dar.
Das Ergebnis meines Bemühens und Beharrens war, dass ich der Einzige war, der die erforderliche Mindestnote erreichte. Deshalb war ich dann der Einzige, der die nächste Prüfungsphase erreichte. Also, wie es auch schon im Vorjahr passierte, musste ich etwa 4 Monate warten, aber schließlich bekam ich die lang erwartete Antwort: Ich war zugelassen worden!
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