quinta-feira, 30 de abril de 2020

Hindi: Warum möchte ich es lernen?

Hindi: Warum möchte ich es lernen?

Ich glaube, dass alle, die meine Texte bei Lang-8 lesen, schon wissen, dass ich eine Passion für Sprachen habe. (Kann ich auf Deutsch sagen, süchtig nach Sprachen bin? Oder verwendet man "süchtig" nur, wenn man etwas Negatives sagen will?)

Also: Ich studierte Japanisch an der Uni, aber ich lernte auch viele andere Sprachen.  Einige Sprachen lernte ich im Rahmen des Unterrichts, andere lernte ich allein.

Ich wurde sehr neugierig auf das Thema Sprachfamilien, als ich davon im Linguistikunterricht hörte. Besonders war ich sehr überrascht darüber, dass so unterschiedliche Sprachen wie Latein und Sanskrit aus derselben Sprachfamilie stammen. Ehrlich gesagt war es das erste Mal, dass ich etwas über Sanskrit hörte.  Das war für mich der Auslöser für mein großes Interesse an Sprachen und für das Land Indien.

Ich fing an, viele Bücher über beide Themen zu lesen. Ich las auch zwei Bücher von Erich von Däniken. Ich muss sagen, dass seine Bücher, abgesehen von der Frage, ob man seinen Theorien glauben mag oder nicht, sehr interessant sind. Also: Eines Tages war ich in der Bibliothek meiner Uni und wartete darauf, einige Bücher über Indien ausleihen zu können. Ein anderer Student bemerkte das und erzählte mir etwas über einen Sanskrit-Kurs, der an einem anderen Ort stattfinden würde. Darüber wurde ich sehr aufgeregt und dachte, dass ich diese Gelegenheit auf gar keinen Fall verpassen durfte.

Sanskrit-Unterricht

Also, ich ging zu dem ersten Unterrichtstermin dieses Kurses und nahm daran teil.  Ich fand es sehr interessant, was der Lehrer uns erzählte. Er sagte, dass er früher im Bereich IT gearbeitet habe, aber eines Tages beschlossen habe, alles zurückzulassen und nach Indien zu reisen. Er verkaufte sein Auto und mit dem Geld, das er damals hatte, flog er nach Indien, um Sanskrit und Vedanta zu erlernen. Er lebte dort ein Jahr lang und flog dann wieder nach Brasilien zurück. Er sagte auch, dass er beschlossen habe, noch einmal an der Uni zu studieren.

Er fing an, Deutsch an der Uni zu studieren, weil es, nach seinen Worten, eine Menge Bücher über die indische Philosophie auf Deutsch  gebe. Sein Lust auf das Lernen hatte mich schwer beeindruckt. Also, ich war dort, nicht etwa, weil ich an irgendwelchen religiösen Überzeugungen Interesse gehabt hätte. Mein Interesse war rein sprachlicher Natur.

Ich hatte lediglich ein Hindernis zu überwinden: die monatliche Gebühr. Ich schreibe später noch die Fortsetzung, aber wenn Sie das Heft, das ich damals verwandte, um Sanskrit zu lernen, sehen möchten, dann schauen Sie es sich bitte einmal auf meinem Instagram-Kanal an.

@vitoraufdeutsch

Keine Angst vor einem "Nein"

Also, am Ende des Unterrichts wollte ich mit diesem Lehrer sprechen, aber ich wollte nicht, dass andere Leute hören könnten, was ich ihm sagen würde. Ich wartete, bis er allein sein würde, aber das passierte nicht. Einer der ebenfalls Interessierten blieb bis zum Ende neben dem Lehrer stehen. Ich hatte keine andere Wahl, als mit dem Lehrer in Anwesenheit dieses jungen Mannes zu sprechen.

Ich erklärte ihm, dass ich ein großes Interesse habe, aber ich könne dafür nicht bezahlen. Wenn ich daran zurückdenke, bin ich ein bisschen stolz darauf, dass ich mich nicht für meinen Geldmangel schämte. Anstatt nichts zu tun, versuchte ich, mir eine Lösung auszudenken, sodass ich etwas, was ich wirklich tun wollte, eben doch tun könnte. Ich hatte keine Angst, ein "Nein" zu hören.

Gentlemen's Agreement

Ehrlich gesagt, alles, was ich tat, war, mit ihm zu sprechen. Er selber schlug mir etwas vor: "Lasse uns ein Gentlemen's agreement vereinbaren. Du kommst zum Unterricht und wenn du das Geld hast, bezahlst du es mir." Das war sehr nett, großzügig und verständnisvoll von ihm. Ich war sehr glücklich und dankte ihm sehr.

Also, ich ging etwa 6 Monate lang zum Unterricht, aber danach hatte ich nicht mehr die Zeit, um an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit dorthin zu gehen. Das heißt, der Zeitplan war inkompatibel geworden. Ich sagte ihm, dass ich leider nicht mehr zu ihm gehen könnte. Er sagte mir, dass er dies verstehe und wir verloren den Kontakt.

Einige Monate später hatte ich die Möglichkeit, an einem Forschungsprojekt der Uni  mitzuarbeiten. Auch bekam ich ein Stipendium. Es war nicht viel Geld, aber es half mir sehr (auch, um zu vermeiden, in die Armee gehen zu müssen, aber das ist eine andere Geschichte, hahaha).

Also, ich rief diesen Lehrer an, um ihm zu sagen, dass ich zurzeit ein Stipendium bekäme und dass ich ihn für die Monate, in denen ich am Unterricht teilgenommen habe, bezahlen könnte. Er sagte mir, dass er glücklich und dankbar sei. Aber er sagte auch, dass ich ihn nicht bezahlen müsste.


Riesenskandal in Brasilien

Das Coronavirus ist verheerend. Aber jetzt haben die Brasilianer einen enormen Feind, der noch gefährlicher ist als das Virus selbst: ihren Präsidenten. Brasilien hatte auch schon in der Vergangenheit schlechte Präsidenten gehabt, aber keiner war wie er. Es gibt so viele nicht akzeptable Dinge, die er bereits sagte und machte, dass ich viele Stunden bräuchte, um über all das hier zu schreiben. Also, auf Deutsch zu schreiben fällt mir noch nicht leicht. Ich muss immer noch viele Wörter im Wörterbuch nachschlagen, aber ich versuche, allmählich besser zu werden.

Also, der Skandal von heute ist: Sérgio Moro, der seit Januar 2019 Justizminister war, gab seinen Rücktritt bekannt. Warum? Kurz gesagt, weil der Präsident verschleiern will, was er und seine Söhne getan haben. Die Geschichte ist natürlich noch viel länger, aber ich kann darüber nicht auf Deutsch schreiben. Ich warte, bis ein Artikel darüber auf Deutsch geschrieben worden ist, damit ich dadurch neue Wörter lernen kann.

Aber hier ist ein Artikel auf Englisch:

https://www.theguardian.com/world/2020/apr/24/brazil-justice-minister-sergio-moro-resigns-jair-bolsonaro

Edited:
Auf Deutsch:

https://www.spiegel.de/politik/ausland/brasilien-nach-streit-mit-jair-bolsonaro-justizminister-sergio-moro-legt-amt-nieder-a-d4677677-3ced-49ce-8b1d-b5de37f928ff

Neue Gewohnheiten (1)

Heute ist der erste Tag des neuen Jahres. Viele Leute nehmen sich immer in dieser Zeit vor, etwas Gutes zu machen oder etwas Schlechtes nicht mehr zu machen. Das ist vielleicht gut. Aber es ist wichtig zu bedenken, dass wir den guten Vorsätzen nicht nur am Anfang des Jahres, eines Monates oder einer Woche, sondern immer folgen sollten.

Und was ich machen will? Das sind viele Dinge. Ich erzähle euch ein Ding von allen, das ich machen will. Ich will weniger Papier benutzen oder mindestens erreichen, dass sich der Papierverbrauch nicht erhöht. Warum sage ich das?

Als ich an der Uni war, habe ich zu viele Bücher kopiert, um Japanisch, Deutsch und andere Sprachen zu lernen. Ich wollte alles, was ich sah, haben. Ich dachte, ich müsste alles lernen. Alle Wörter, alle Ausdrücke, alle Sprichwörter, alle Texte zu allen Themen. Das ist Wahnsinn. Es ist nicht möglich so viel zu lernen, es sei denn, du wohnst in dem Land, wo die Sprache, die du lernst, gesprochen wird. Oder wenn du Kontakt zu Leuten hast, die Muttersprachler in dieser Sprache sind. Um etwas zu erwerben, muss man nicht nur etwas darüber lesen oder hören, sondern das Erlernte auch benutzen.

Was sollte ein Fremdsprachlehrer nicht tun? (Erster Teil)

Ich gebe euch ein Beispiel, wer für mich ein schlechter Lehrer ist. Das geht auf eine wirkliche Begebenheit zurück. Es geht um eine Japanischlehrerin, die mich an der Uni in Japanisch unterrichtet hat. Und ich mache mir keine Sorgen darüber, ob sie oder andere Leute, die uns kennen, es lesen werden. Ich lüge nicht.

Also, sie ist Japanische Brasilianerin. Das heißt, sie ist japanischer Abstammung. Sie hatte früher in Japan gewohnt, vielleicht als sie jung war. Ich weiß das nicht genau.  Ich kann mich eben nicht erinnern, ob sie uns die ganze Geschichte erzählt hat. Ich erinnere mich nur, dass sie uns gesagt hat, dass Japaner sehr voreingenommen sind. Sie hat eine schlechte Erfahrung in Japan gemacht.

Kurz gesagt, sie hat uns gesagt, dass der folgende Satz sehr beeindruckend war: "Obwohl du japanischer Abstammung bist?" Ich versuche, euch zu erklären, was das bedeutet. Es wird gesagt, dass Japaner erwarten, dass eine Person mit japanischer Abstammung wie ein Japaner sprechen und sich benehmen würde. Aber das ist nicht immer der Fall. Und besonders die brasilianische Kultur ist ganz anders als die japanische Kultur. 

IIch stelle mir vor, dass sie ein paar Situationen in Japan erlebt hat, in denen sie sich anders als Japaner benommen hat. Japaner haben gedacht, dass sie wie einer von ihnen benehmen würde, weil sie aus einer japanischen Familie stammt. Aber was oft passiert ist, dass Leute, die in Brasilien aufwachsen sind, sich wie Brasilianer benehmen. Das heisst, sie siehen wie Japaner aus, aber sind doch Brasilianer.

Also, ich kann verstehen, dass es ihr sehr unangenehm war, und ich denke, dass es wichtig ist, die Wahrheit nicht zu verschleiern. Aber sie könnte sagen: "Das war meine Erfahrung. Das bedeutet nicht, dass euch dasselbe passieren wird." Das Lustige ist, es gab nur zwei Studenten mit japanischer Abstammung. Alle Anderen waren wie ich. Das heisst, dass die meinsten diese Situationen nicht erfahren würden.

Über meinen ersten Text auf litauisch hier und Milch

https://lang-8.com/vn/journals/210463

Heute habe ich den ersten Text, den ich hier auf Litauisch geschrieben habe, wiedergefunden. Das war im Jahr 2009. Ich kann es gar nicht glauben. Zehn Jahre sind nun schon vorübergegangen und ich habe keine Fortschritte im Studium der litauischen Sprache machen können. Ich sollte mich nicht darüber beklagen, denn der Einzige, der daran schuld ist, bin ich selber. Alles Gute und Schlechte hinsichtlich der Studien, die ich bislang unternommen habe, hängt hauptsächlich von mir ab - und dies ist mir auch bewusst.

Natürlich weiß ich, dass es schwer ist, die Zeit zu finden, um viele Sprachen gleichzeitig zu lernen. Aber ich denke, dass es nicht unmöglich ist. Außerdem muss ich sagen, dass ich während der fünf Jahre, die ich in SP verbracht habe, genug Zeit hatte, um viel zu lernen. Aber leider habe ich die Zeit nicht genutzt. Aber, so sagt das Sprichwort: Es lohnt sich nicht, über verschüttete Milch zu weinen. Aber ich glaube, dass dies nur eine Übersetzung ist (dieses Sprichwort gibt es auch in Brasilien, in den USA usw.). Sagen die Deutschsprechenden dies auch so? Oder würden sie nur sagen "geschehen ist geschehen" oder "vorbei ist vorbei" oder etwas anderes?

Erinnerungen

Während unseres Lebens lernen wir viele Leute kennen. Einigen werden unsere Freunde. Andere nicht. Aber nur weil jemand ein Freund wird, heißt das doch lange nicht, dass wir mit ihnen für immer Freunde bleiben. Und es gibt auch Leute wie mich, die oft umziehen. Seit 2004 bin ich mindestens acht Mal umgezogen. Ich habe in den meisten Städten, in denen ich gewohnt habe, Leute kennengelernt und einige sind Freunde geworden. Aber jetzt wohnen wir weit entfernt und es ist ein bisschen schwer, mit allen aktiv in Kontakt zu bleiben.

Manchmal fühle ich mich allein oder ich will mit Jemandem sprechen und später erinnere mich daran, dass ich gute Freunde habe, nur wohnen sie weit weg. Dank ein paar Apps ist es heutzutage möglich, alle oft anzurufen oder Nachrichten zu schicken. Aber mir gefällt es auch, wenn Jemanden persönlich treffen kann, um über das Leben zu sprechen.

Mein Erlebnis mit der finnischen Sprache (erster Teil)

Bevor ich anfange, diese Geschichte zu erzählen, will ich erwähnen, dass ich sehr darüber erstaunt bin, dass ich bei Lang-8 versucht habe, viele Texte auf Finnisch zu schreiben. Ich möchte sie noch einmal lesen, damit ich aus ihnen etwas lernen kann, bevor ich weitere Texte schreibe.

Finnisch ist eine Sprache, in die ich mich verliebte, als ich noch sehr jung war. Ich war 16 Jahre alt, als ich mein Studium an der Uni begann (dies bedeutet überhaupt nicht, dass ich ein Genie bin, aber das ist eine andere Geschichte). Ich habe im Linguistikunterricht von den Sprachfamilien gehört und meine Neugier hat damals ein nie dagewesenes Niveau erreicht.

Ich habe angefangen, in vielen Büchern viele Texte über dieses Thema zu lesen. Eine der Tatsachen, die mein Interesse geweckt hatte, war, dass es in Europa gesprochene Sprachen gibt, die nicht zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehören. Zum Beispiel die finnische Sprache. Als ich über die Fälle (Kasus) der finnischen Sprache gelesen habe, hat sich meine Begeisterung gesteigert, weil sie mir unglaublich interessant erschien.

Ich habe große Lust darauf bekommen, Finnisch zu lernen. Leider gab es fast keine Möglichkeit, um dies wahr werden zu lassen. In der Bibliothek meiner Universität gab es kein Buch, mit dem man Finnisch lernen konnte. Im Internet gab es zwar einige Webseiten, aber damals war eine schnelle Internetverbindung nicht billig, wie ich hier schon erwähnt habe.

Darüber hinaus musste ich damals viel Japanisch und andere Fächer lernen. Obwohl ich mich der finnischen Sprache widmen wollte, waren der Zeitmangel und der Lernmittelmangel die ausschlaggebenden Gründe, die mich gezwungen haben, das Erlernen des Finnischen zwischenzeitlich hintanzustellen. Aber es stellte sich heraus, dass das Schicksal eine Begegnung mit dieser Sprache für mich bereithalten würde.

Es ist ganz natürlich, dass man zusätzliche Informationen über etwas sucht, für das man sich besonders interessiert. Ich bin der lebende Beweis, dass dieser Satz zutrifft. In meinem Fall war es so, dass ich immer Bücher, Kurse, Webseiten usw. gesucht habe, anhand derer ich Sprachen lernen könnte.

Leider standen mir, wie fast allen Menschen, nur beschränkte Zeit und begrenztes Geld zur Verfügung. Ich habe einige Male überlegt, dass ich in vielen Ländern hätte leben können, um die Sprachen und Kulturen dieser Länder zu lernen, wenn ich reich geboren worden wäre.

Aber weil Tagträume niemanden irgendwohin führen, musste ich viel tun, um meine Sprachkenntnisse zu vertiefen. Ich erinnere mich daran, dass ich - im Alter von ca. 18 Jahren - an einem Tag zu vielen Konsulaten gefahren bin, um zu fragen, ob man dort Informationen über die Sprachen hätte. Ich hatte die Adressen einiger Konsulate recherchiert und bin dann dorthin gefahren. Sie liegen alle weit von meinem Viertel in Rio de Janeiro entfernt, aber das hatte ich mir schon gedacht.

Wenn ich mich recht erinnere, dann habe ich das thailändische, isländische, polnische und dänische Konsulat aufgesucht. Natürlich auch das finnische. Damals gab es nur ein Konsulat für Norwegen, Schweden und Finnland. Obwohl Rio de Janeiro die zweitgrößte Stadt Brasiliens ist, waren diese Konsulate sehr klein.

Vielleicht wohnen in Rio nicht viele Bürger aus diesen Ländern. Nun ja, ich habe nach Informationen über die Sprachen, Kurse usw. gefragt. Einige Konsulate haben mir Flyer über ihr Land gegeben. Von dem polnischen Konsulat habe ich zwei Zeitschriften bekommen. Aber am interessantesten war es, was mir passiert ist, als ich in dem Konsulat von Finnland gefragt habe, ob es einen Finnisch-Sprachkurs gäbe. Die Konsulatsangestellte hat mir geantwortet, dass es keinen Kurs gebe. Sie habe aber die Telefonnummer einer Frau, die privaten Finnisch-Unterricht gebe.

Ich war damals ein Student und hatte kein Geld, aber ich habe diese finnische Frau angerufen, um sie nach dem Unterricht zu fragen. Ich wusste schon, dass ich höchstwahrscheinlich dafür nicht bezahlen könnte. Aber es hat sich gelohnt, sie anzurufen.

Am Anfang des Gesprächs habe ich nach dem Preis gefragt. Es ist unglaublich, aber ich erinnere mich noch immer daran. Sie hat mir gesagt, es koste 20 Real pro Stunde. Das wären heute ca. 3 Euro (heute, 2021), aber dies war 2001. Das war mehr als 10 % des brasilianischen Mindestgehalts (180 Real pro Monat). Natürlich ist Finnisch eine Sprache, für die man nicht so einfach Sprachkurse finden kann. Ich behaupte nicht, dass ihr Unterricht nicht 20 Real pro Stunde wert gewesen wäre. Aber das war in der Tat ziemlich teuer für mich.

Deshalb habe ihr etwas vorgeschlagen. Ich habe ihr davon erzählt, dass ich Japanisch an der Uni studiere und ich ihr, wenn sie Interesse hätte, Japanisch-Unterricht geben könnte - und im Gegenzug könnte sie mir Finnisch-Unterricht geben. Das war möglicherweise ein sehr ungewöhnlicher Vorschlag. Man kann sich fragen: Warum sollte eine finnische Frau, die in Rio de Janeiro lebt, Japanisch lernen wollen? Ich hatte nur wenig Hoffnung, dass sie den Vorschlag annehmen würde, aber erstaunlicherweise hat sie mir gesagt, dass sie darüber nachdenken wolle. Zu meiner großen Überraschung hat sie mich am nächsten Tag angerufen, um mir zu sagen, dass sie damit einverstanden sei.

Ich war sehr begeistert davon, dass sie Interesse hatte, diesen Austausch zu machen. Wir haben uns für die erste Stunde verabredet. Sie hat mich in ihre Wohnung eingeladen. Vielleicht kannte sie die Stadt noch nicht so gut oder vielleicht dachte sie auch, dass es gefährlich sein könnte, allein in einen anderen Stadtteil zu gehen. Vielleicht dachte sie auch einfach, dass es bequemer wäre, wenn sie ihr Haus nicht zu verlassen bräuchte.

Ihr Mann arbeitete bei Nokia in Rio de Janeiro und sie arbeitete, soweit ich mich erinnern kann, gar nicht in Brasilien. Sie wohnten also in einem sehr schönen und reichen Viertel, welches Leblon heißt (Ipanema ist gleich nebenan) und sehr weit von meinem Wohnort entfernt liegt. Aber das war mir egal. Mein ganzes Leben lang habe ich in einem Vorort von Rio de Janeiro gewohnt und war an die Tatsache gewöhnt, dass ich immer weit fahren musste, um mehr Möglichkeiten zu haben, etwas Neues zu erfahren.

Unsere erste Stunde ist nicht so verlaufen, wie ich es erhofft hatte. Sie war freundlich und ich denke, dass sie dasselbe von mir gedacht hat. Aber die Probleme lagen auf einem anderen Gebiet. Ich hatte vergessen, ihr zu sagen, dass ich schon einige Wörter, Ausdrücke und Sachverhalte der Grammatik kannte. Ich hatte sie bereits aus Büchern und von Webseiten gelernt. Das heißt, ich musste nicht erst vom Nullpunkt beginnen und alles, wie z. B. das Verb "sein", lernen. Deshalb dachte sie vielleicht: "Was soll ich ihm beim nächsten Mal beibringen?" Aber ich hatte ebenfalls Schwierigkeiten, weil ich niemals zuvor jemandem Japanisch (oder irgendeine andere Sprache) beigebracht hatte. Als ich versucht hatte, ihr ein paar Sachverhalte zu erklären, habe ich bemerkt, dass ich ihr zunächst erst noch andere Sachverhalte erklären musste, damit sie diese Sachverhalte überhaupt verstehen konnte. Das war aber nicht das einzige Schlechte, das mir damals passiert ist.

Wie kann man die Zeit auf eine nützliche Art und Weise genießen?

Wir sind alle in einer besonderen Situation. Wir sollen zu Hause bleiben und nicht nach draußen gehen. Dies darf man nur, wenn es wirklich notwendig ist, z. B. für den Einkauf von Lebensmitteln, für einen Arzt-Besuch oder wenn man in einem wichtigen Bereich arbeitet, dessen Funktion gewährleistet bleiben muss.

Menschen, die zu Hause bleiben können, sollen das auch machen, damit die Anzahl der behandlungsbedürftigen infizierten Menschen nicht das Leistungsvermögen des Gesundheitssystems übersteigt. Wenn wir diesen Maßnahmen nicht gehorchen, dann könnte das Bemühen vieler Menschen, die Geschwindigkeit der Infektionen zu bremsen, vergeblich sein.

Ich verstehe, dass diese Situation nicht leicht ist. Ich selber bin der Typ, dem es gefällt, jeden Tag irgendwohin zu gehen. Aber jetzt erfahren wir etwas, das für alle etwas Neues ist, und wir müssen eine Art und Weise finden, wie wir diese Krise bewältigen wollen. Zu Hause bleiben kann Leben retten. Und was können Menschen, die zu Hause bleiben müssen, tun, um sich nicht zu langweilen?

Viele Dinge! Bücher lesen, Filme anschauen, sich mit der Familie unterhalten, Sprachen lernen - das ist es, was ich jetzt mache. Ich ordne alle Texte, die ich hier geschrieben habe. Ich lese sie noch einmal, um meinen Wortschatz effektiv zu erweitern. Ich habe schon über abwechslungsreiche Themen geschrieben, aber ich kann mich nicht an alle erinnern, geschweige denn an die Wörter und Ausdrücke, die mir hier beigebracht wurden. Und ihr? Was macht ihr zu Hause?

Als meine Eltern sich scheiden ließen, war ich ein Jahr alt.

Danach lebte ich bei meiner Mutter und meinen Großeltern mütterlicherseits. Leider starb mein Großvater, als ich drei Jahre alt war. Deshalb kann ich mich nicht an ihn erinnern. Meine Beziehung zu meinem Vater war niemals die beste. Ich kann es nicht so gut erklären, aber ich hatte nie das Gefühl, jemals einen Vater gehabt zu haben. Wir trafen uns etwa zweimal pro Jahr - und das ist nicht genug! Ich weiß, dass die Menschen unterschiedlich sind, aber meiner Erfahrung nach gibt es in Brasilien (vielleicht sogar in der ganzen Welt) zu viele Männer, die keine Verantwortung übernehmen wollen, wenn sie ein Kind haben und sich dann scheiden lassen. Zumindest ist dies bei meinem Vater so gewesen. Obwohl er eine monatliche Unterhaltszahlung für mich an meine Mutter leisten musste, hat er viele Male nicht bezahlt. Wenn meine Mutter niemanden gehabt hätte, der ihr hätte helfen können, wie etwa meine Großmutter - was hätte sie tun können, um mich aufzuziehen?

Dumme Brasilianer

Es gibt solche Menschen überall, in allen Ländern. Brasilien stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Es gibt in Brasilien Menschen, die nicht an die Gefährlichkeit des Coronavirus glauben. Nicht nur Leute, die keine Allgemeinbildung haben, die keine (Online-) Zeitungen lesen, die sich nicht dafür interessieren, was in der Welt passiert. Es gibt auch reiche Leute, die den Präsidenten schätzen und die alles tun würden, um seine politischen Absichten (die des Präsidenten) zu unterstützen

Einige von diesen Leuten versammelten sich vor ein paar Tagen an der Avenida Paulista, der berühmtesten Allee in São Paulo. Sie trafen sich dort, um zu protestieren. Sie sagten: "Das Coronavirus existiert nicht. Das ist nur ein Plan, um Bolsonaro zu beschädigen." Es ist unglaublich, aber es gibt wirklich Menschen, die solche Sachen behaupten. Möglicherweise wurden sie bestochen, damit sie solche Dinge öffentlich behaupten. Mich überrascht mittlerweile gar nichts mehr! (Ich meine, dass so viele unglaubliche Sachen passiert sind, dass mich nichts mehr überraschen könnte).

Habt ihr schon Türkisch gelernt?

Ich weiß, dass in Deutschland sehr viele Türken leben. Wenn ich mich nicht irre, dann sind die Türken die größte Minderheit in Deutschland. Als ich zum ersten Mal davon hörte, fand ich es sehr interessant, weil diese beiden Kulturen sehr unterschiedlich sind. Das war vor 20 Jahren.

Im Jahr 2012 war ich zum ersten Mal in Deutschland und sah mit eigenen Augen, wie multikulturell Deutschland ist. Besonders in Berlin war dies so. Das gefiel mir sehr. Ich hatte bereits neun Jahre in Japan gelebt, als ich zum ersten Mal nach Deutschland reiste. Japan ist ein wunderbares Land mit Vor-und Nachteilen, wie es bei allen anderen Ländern auf der Welt auch ist. Aber eine Eigenschaft, die Japan nicht hat, ist, multikulturell zu sein.

Ich sage hier nicht, dass alle Länder multikulturell sein müssen, aber dies ist eine Eigenschaft, die mir sehr gefällt. Es scheint mir, dass den Deutschen dies ebenfalls gefällt. Und nun eine Frage an alle Deutsche, die diesen Text lesen: Habt ihr schon Türkisch gelernt? Ich stelle mir vor, dass die Türken, die in Deutschland leben, gutes Deutsch sprechen können, aber es wäre für mich sehr interessant, wenn ich mit ihnen auch auf Türkisch sprechen könnte. Ich bin verrückt nach Fremdsprachen und Türkisch ist eine sehr interessante Sprache, besonders, wenn man an ihre Grammatik denkt. Aber darüber schreibe ich im nächsten Text.

Wie kann man sich kontrollieren?

Wir alle haben Unvollkommenheiten und ich bin keine Ausnahme. Eine meiner Schwächen besteht darin, dass ich mich kaum auf nur eine Sprache konzentrieren kann. Als Student passierte mir das oft (aber nicht nur damals).

Als ich beispielsweise Japanisch lernen musste, weil ich am nächsten Tag eine Japanisch-Prüfung zu bestehen hatte, bekam ich eine unkontrollierbare Lust darauf, Texte auf Deutsch zu lesen und neue Wörter zu lernen. Es ist so, als würde ich dazu neigen, etwas zu tun, weil es mir gefällt, und nicht, weil ich es tun muss.

Türkisch und Japanisch

Etwas, das mir beim Fremdsprachenlernen viel Freude bereitet, ist es, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachen zu entdecken. Natürlich finde ich es interessant, nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Ähnlichkeiten, die sie miteinander haben, herauszufinden.

So sehen etwa Türkisch und Japanisch vollkommen anders aus, aber beide sind agglutinierende Sprachen. Dies bedeutet, dass sie Affixe verwenden, um etwas auszudrücken, statt andere Wörter zu verwenden, wie es im Portugiesischen oder oder Deutschen der Fall ist.

Ich gebe euch ein Beispiel aus dem Japanischen:
"akai" bedeutet "es ist rot",
"akakunai" bedeutet "es ist nicht rot",
"akakatta" bedeutet "es war rot" und
"akakunakatta" bedeutet "es war nicht rot".

Wir ändern die Bedeutung der Wörter, indem wir Affixe hinzufügen. Dies passiert auch in der koreanischen, finnischen, estnischen, ungarischen und mongolischen Sprache sowie auch bei weiteren Sprachen. Dennoch ist auch hervorzuheben, dass etwas Seltsames in diesem Beispiel passiert. Im Japanischen (und auch im Koreanischen) werden die Adjektive in der Vergangenheit "konjugiert".

quarta-feira, 29 de abril de 2020

Kann man es Berufung nennen?

Ich find es wichtig, dass Menschen Chance haben, vielen verschiedene Sache auszuprobieren. Dann kann man etwas finden, mit dem er oder sie sich identifizieren kann. Aber natürlich ist es sehr schwer, die eigene Berufung herauszufinden, selbst dann, wenn man schon viele Sachen ausprobiert hat. Jeder Mensch ist verschieden und muss sich seinen eigenen Weg mühsam erschließen.

Ich denke jetzt an meinen Fall. Ich kann sagen, dass ich nicht viel Kontakt mit Fremdsprachen hatte, als ich ein Kind war. Ich kannte niemanden, der andere Sprachen sprach. Es gab keine Fremdsprachler in meiner näheren Umgebung und meine Familie konnte auch keine Fremdsprachen sprechen. Und als ich anfing, mehr Kontakt zu Fremdsprachen zu haben (an der Uni), wurde ich geradezu verrückt nach Sprachen. Ich wurde so neugierig, dass ich alle Sprachen lernen wollte. *hahaha* Also, das hat sich bis heute nicht viel geändert.

Ich frage mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich während meiner Kinderzeit mehr Kontakt zu Sprachen gehabt hätte. Ich weiß auch, dass dann, wenn die Eltern versuchen, ihren Kindern etwas aufzudrängen, als Ergebnis oftmals das genaue Gegenteil eintritt. Menschen wollen nicht etwas lernen, nur weil ihre Eltern wollen, dass sie es lernen. Es muss eine spontane Entscheidung sein. Ich lernte und lerne so viele Sprachen, nicht etwa, weil jemand mir sagte, dass ich das tun solle, sondern weil es mir gefällt. Niemandem gefällt es, etwas zu tun, weil man dazu gezwungen wird.

Wir sollten nicht am Parfüm sparen

Es gibt Menschen, die sich nicht gut dabei fühlen würden, wenn sie ein gutes Parfüm, das ihnen geschenkt wurde, im Alltag tragen würden. Es ist schwer zu erklären, aber ihr Gefühl dabei ist, als müssten sie sich "schuldig" fühlen, wenn sie an einem normalen Tag dieses gute Parfüm tragen würden. Es geht nicht nur um Parfüm.

Diese Menschen denken, dass solche Geschenke, wie etwa Parfüms, die sehr gut riechen, nicht ständig benutzt werden sollten. Diese Menschen warten auf einen speziellen Tag, zum Beispiel auf die Hochzeit eines Freundes oder eines Verwandten, sodass sie dann dieses Parfüm benutzen zu können, ohne das Gefühl zu haben, dass die Verwendung umsonst gewesen wäre. Wie denken Sie darüber? Ist das gut oder schlecht?

Auf Portugiesisch gibt es einen Ausdruck, der heißt: "Ter pena de usar algo". Das Wort "pena" kann benutzt werden, um "Schade" oder "ich habe Mitleid mit jemandem" auszudrücken. Aber "ter pena de usar algo" bedeutet "sich nicht gut dabei fühlen, etwas zu benutzen". Der Mensch würde sich nicht gut dabei fühlen, nicht, weil die Sache anderen Menschen gehört, sondern weil sie denken, dass es eine Verschwendung wäre. Zum Beispiel wäre es eine Verschwendung, ein solch gutes Parfüm an einem ganz normalen Tag zu benutzen.

Wie sagt man das auf Deutsch? "Mitleid haben, ein teures Parfüm zu benutzen"?

Fehler, Fehler, Fehler

Ich fühle mich ganz ohnmächtig und frustriert, wenn ich bemerke, dass ich ganz einfache Fehler gemacht habe. Ich meine Fehler, die ich nur deswegen gemacht hatte, weil ich gerade so nervös gewesen war und nicht aufgepasst hatte.

Heute habe ich ein Video gedreht und es auf meinem Instagram-Kanal hochgeladen. Ich versuche jeden Tag wenigstens ein einminütiges Video zu drehen, so dass ich üben kann, auf Deutsch zu sprechen. Ein anderer Zweck dieses Kontos ist ein Video-Archiv aufzubauen, um festhalten zu können, wie mein Deutsch sich verbessert hat (Ich hoffe, es wird sich verbessern).

Ich versuche immer, eine Minute lang so viel wie möglich zu sprechen. Ich schreibe im Vorfeld keinen Text, den ich auswendig lernen würde, um ihn in den Videos zu sagen. Ich habe nicht vor, perfekte Videos zu drehen, aber wenn ich bemerke, dass ich etwas verkehrt gesagt habe oder dass ich zu langsam gesprochen habe, dann mache ich ein neues Video.

Heute war ich sehr zufrieden mit dem Video, weil ich zwei Wörter, die ich schon lange verwenden wollte, verwenden konnte. Aber später habe ich es noch einmal angesehen, nachdem ich es bereits hochgeladen hatte, und bemerkte, dass ich "nützlich" nicht richtig ausgesprochen habe. Aber das ist jedoch noch längst nicht alles! Anstatt "ein Buch für Japaner" zu sagen, habe ich "für Japanischer" gesagt! Herrgott noch mal!

Vielleicht habe ich auch noch weitere Fehler gemacht. Wenn Sie wissen möchten, über welche verwendeten Wörter ich mich gefreut habe bzw. ob ich noch weitere Fehler gemacht habe – hier ist mein Instagram-Kanal:

@vitoraufdeutsch

domingo, 26 de abril de 2020

Lernen ist etwas, das man allein macht?

Ich bin sicher, dass jeder von uns seine Art und Weise hat, mit der er Sprachen lernt. Ich meine damit nicht die Frage, ob man Gruppenunterricht oder Einzelunterricht nimmt.

Ich habe einmal ein Video gesehen, in dem ein Professor darüber sprach, was "Lernen" für ihn bedeute. Er sagte, dass zur Schule oder zu einem Kurs zu gehen, noch nicht  bedeute, dass man lerne. Es bedeutet nur, dass man eben zur Schule oder zu einem Kurs geht. Kurz gesagt: Mit anderen Leuten in einem Raum zu sitzen und einem Lehrer zuzuhören, ist noch kein "Lernen".

Er erzählte, dass eine Frau einmal zu ihm sagte, dass es ihrer Tochter in der Schule gar nicht gut ginge, obwohl sie viel lerne. Er fragte sie, von wann bis wann ihre Tochter denn lerne. Sie antwortete, indem sie ihm erzählte, wann die Schule beginnt und wann sie endete. Er sagte zu ihr: "Aber sie lernt nicht während dieser Stunden. Sie ist während dieser Zeit nur in der Schule. Wann lernt sie wirklich?"

Seiner Meinung nach ist Lernen das, was man macht, wenn man allein ist. Wenn man alleine dasitzt und liest / überdenkt / zu verstehen sucht, was in der Schule oder in der Uni besprochen worden ist. Ich bin, bis zu einem gewissen Ausmaß, der gleichen Meinung, besonders wenn man über Fremdsprachen spricht.


Lernen durch Zauberei?


Es scheint mir, dass einige Leute denken, dass es bereits ausreiche, in einen Sprachunterricht zu gehen, um eine Sprache beherrschen zu können. Wenn dieser Erfolg nicht eintritt, dann denken manche, dass der Kurs nicht gut war. Aber meiner Ansicht nach ist der Besuch des Unterrichts nur ein Teil des Lernvorgangs.

Man muss zu Hause noch einmal lesen und schreiben, was man im Unterricht gehört hat. Wenn es möglich ist, sich auf die nächste Stunde vorzubereiten, kann das auch sehr hilfreich sein.

Man soll doch nicht erwarten, dass es schon ausreichend ist, lediglich die monatliche Gebühr zu bezahlen und in einem Raum Platz zu nehmen, so, als ob die Fertigkeiten einer Fremdsprache (oder eines anderen Wissensbereiches) wie durch Zauberei oder Osmose aufgenommen werden könnten. Meiner Meinung nach gibt es nur einen Weg zu einem erfolgreichen Ergebnis: sich der Sache intensiv zu widmen.

Wir haben auch Schuld!

Viele Menschen beschweren sich über ihre Lehrer, aber nicht immer ist der Lehrer schuld. Wir müssen auch unsere eigene Verantwortung erkennen und selber Verantwortung übernehmen. Wir sollten nicht die ganze Verantwortung für unseren Lernerfolg den Lehrern übertragen.

Natürlich gibt es gute und schlechte Lehrer. Manchmal haben wir das Glück, einen Lehrer kennenzulernen, der einen großen und positiven Einfluss auf unser Leben bewirkt. Es gibt Menschen, die uns Energie geben. Es gibt Menschen, die uns dazu inspirieren, mehr wissen zu wollen.

Aber es gibt auch Menschen, die unsere Energie austrocknen, sie aufsaugen und sie uns wegnehmen wollen. Über eine solche Lehrerin habe ich mich an früherer Stelle bereits geäußert. Es gibt sogar Lehrer, die, so scheint mir, gar nicht wollen, dass ihre Schüler an Kenntnissen hinzugewinnen! Meiner Meinung nach sollten solche egoistischen Menschen sich eine andere Arbeit suchen!

Du hast eine Begabung für Sprache! 

Man soll auch nicht glauben, dass man eine Sprache nicht beherrschen könnte, weil man keine Begabung für Sprachen hätte. Es stört mich auch, wenn man mir sagt, dass ich eine Begabung für Sprachen habe. Ich bin nicht mit Talent geboren worden. Ich glaube, niemand ist mit nichts geboren worden. Man lernt, man widmet sich, man macht Fehler, man leidet. Wie es auf Englisch heißt: "no pain, no gain". 

Ich habe keine Begabung für Sprachen. Ich verbringe viele Stunden beim Lernen. Meine Ergebnisse in den Sprachesind das Resultat von Blut, Schweiß und Tränen. Also, jetzt übertreibe ich doch ein wenig. In Brasilien ist das eine geläufige Redewendung. Glücklicherweise brauchte ich noch kein Blut zu geben, um Sprachen zu lernen (wenigstens bislang noch nicht).

Kein Lob, sondern eine Beleidigung!

Wenn man mir sagt, dass ich eine Begabung für Sprachen habe, möchte ich antworten: "Nein, ich habe keine Begabung. Ich lerne gern Sprachen und das macht mir Spaß. Deshalb verwende ich viel Zeit darauf, aber das bedeutet nicht, dass ich mühelos alle erdenklichen Sprachen bis zur Perfektion beherrschen kann."

Du hast eine Begabung für Sprachen! Viele Leute haben mir das schon gesagt. Vielleicht dachten sie, dass es ein Lob wäre, aber es ist kein Lob, sondern eine Beleidigung. Was denken sich diese Leute eigentlich dabei? Dass ich nichts mache? Dass Gott sich entschieden hat, mir dieses Geschenk zu geben, wodurch ich Sprachen einfach so benutzen kann, ohne etwas dafür tun zu müssen?


Wir alle können irgendetwas machen!

Mir gefällt diese "Begabungs"-Idee nicht, denn wenn man sagt, dass jemand Begabung für etwas habe, so würde dies ja bedeuten, dass nicht alle Menschen eine solche Begabung hätten. So denke ich nicht. Ich glaube nicht, dass jemand etwas gut machen kann, weil er mit diesem Talent schon so geboren worden ist. Das ist Wahnsinn!

Ich glaube, dass irgendjemand irgendetwas tun kann, wenn man es wirklich will, wenn man sich der Sache wirklich widmet und auch die äußeren und inneren Umstände dafür aufbringen kann. Alle Menschen können alles tun. Es hängt nur von ihnen und den Umständen ab. Jemandem zu sagen, dass er Talent habe oder nicht,  würde bedeuten, ihm Grenzen zu setzen. Das mag ich nicht!

Echtes Lernen

Zweimal einen Raum zu betreten, dort jeweils eine Stunde lang zu sitzen und dem Lehrer zuzuhören – das ist nicht wirklich als "Lernen" zu bezeichnen. Natürlich kann man viel lernen, wenn man mit anderen Leuten spricht. Ich würde auch viele Sprachkurse besuchen, wenn ich genug Zeit und Geld hätte. Aber das ist nicht das einzige Mittel, um den Lernzweck erreichen zu können.

Zum Beispiel kann ich zurzeit nirgendwohin gehen und niemanden treffen. Aber das kann keine Ausrede sein, um nicht dennoch Sprachen zu lernen. Also, es gibt auch Skype, WhatsApp und andere nützliche Werkzeuge, mit denen man Sprachen lernen oder üben kann. Außerdem gibt es auch Bücher, Webseiten, Filme usw. Besonders erstaunt bin ich darüber, wie viele Videos es auf YouTube gibt, anhand derer man seine Sprachkenntnisse verbessern kann. Zurzeit entstehen auch auf Instagram Kanäle, die beim Sprachenlernen hilfreich sein können.

sexta-feira, 24 de abril de 2020

In einem Hostel übernachten

2018 habe ich zum ersten Mal eine "Backpacker-Reise" nach Europa unternommen. Solche Reisen sind unter Brasilianern sehr beliebt, wenn man an Europa denkt. Viele Leute denken, dass es sich lohnt, viele Länder auf einmal zu besichtigen. Die Gründe: 1) Die Länder sind klein, wenn man sie mit Brasilien vergleicht. Deshalb ist es nicht schwer, viele Länder in kurzer Zeit kennenzulernen. 2) Es ist nicht so billig, nach Europa zu fliegen, deshalb denkt man oft, dass man diese Chance ausnutzen muss, um so viel wie möglich zu tun. Viele Leute denken: "Ich weiß nicht, wann oder ob ich noch einmal diese Chance haben werde!"

Eines der Länder, die ich 2018 besichtigte, war Ungarn. Ich verbrachte dort 3 oder 4 Tage. Normalerweise übernachte ich in einem Hostel. Ich wähle immer Gemeinschaftsräume, weil es viel billiger ist, als ein Zimmer nur für mich allein zu buchen. Ich habe keine Angst davor, in einem Raum mit vielen Leuten, die ich nicht kenne, zu schlafen, aber vorsorglich trage ich meinen Reisepass und Geld immer mit mir. Wenn ich schlafen gehe, stecke ich diese Dinge in meine Bauchtasche. 

Ich habe auch etwas Nützliches erfunden. Normalerweise verwende ich drei Kissen: Eines lege ich unter meinen Kopf. Das zweite stecke ich zwischen meine Knie. Ich mag es, auf einer Seite zu schlafen. Viele Leute schlafen gern auf dem Bauch (ich machte das auch manchmal), aber das ist nicht gesund für das Rückgrat. Das dritte Kissen umarme ich. Hahaha, leider stellen die Hostels nur ein Kissen zur Verfügung, weshalb mir das Einschlafen viele Male sehr schwerfiel. Einmal habe ich mein Kissen sogar mit auf die Reise genommen. Hahaha, aber heute habe ich ein bessere Methode. 

quarta-feira, 22 de abril de 2020

Unlauterer Wettbewerb


Mein Traum von Japan

Nachdem ich also das beste Wörterbuch gekauft hatte, konnte ich mich jeden Tag gut auf die Prüfung vorbereiten. Es war ein Programm, in dessen Rahmen man ein Stipendium bekommen würde, um in Japan ein Jahr lang zu studieren. Natürlich war das Flugticket auch darin enthalten. Über das Visum brauchte ich mir keine Sorgen zu machen. Ich erzählte hier bereits, wie das erste Mal war. Heute geht es um das zweite Mal.

Also, jeden Tag stand ich auf und fing an, in meinem Zimmer zu lernen. Es war mir egal, ob ich frühstückte oder nicht. Ich glaube auch, dass ich gar keinen Hunger hatte, als ich aufwachte.Das Einzige, woran ich denken konnte, war, viele Wörter zu lernen. Ich machte das viele Monate lang und im Ergebnis konnte ich viel mehr verstehen und schließlich eine bessere Note bekommen.


Die erforderliche Mindestnote 

Also, diese (sehr schwierige) Prüfung war schriftlich. Wer, der eine gute Note bekommen könnte, vermöchte zu der nächsten Phase zu gehen: eine mündliche Prüfung. Aber bevor ich darüber etwas erzähle, lassen Sie mich erklären, was "gute Note" bedeutet. Es gab eine erforderliche Mindestnote.

Um zu der nächsten Phase übergehen zu können, musste man als Minimum eine bestimmte Note erlangen. Ich kann mich nicht mehr gut daran erinnern, ob es 50 % oder 60 % waren. Wer diese Note erreichte, würde eine mündliche Prüfung machen dürfen. In diesem Jahr (2001) erreichten diese Note nur zwei Studenten, darunter auch meine Wenigkeit. Lassen Sie mich diesen anderen Studenten "E" nennen.

Beim gefoltert werden

Also, nur E und ich machten die mündliche Prüfung und wir beide haben sie bestanden. Der Mitarbeiter des Konsulats sagte uns, dass wir bestimmte Dokumente aus der Uni mitbringen sollten, nachdem sie übersetzt worden wären. Wir mussten uns auch einer Untersuchung unterziehen und das Ergebnis einreichen. Er sagte auch, dass das Konsulat alle Unterlagen nach Japan schicken würde.

Das war im April , aber das Ergebnis würde erst im August vorliegen. Kurz gesagt: Vier Monate Wartezeit bzw. "gefoltert" werden. Ihr denkt wohl, dass ich hier ein wenig übertreibe! Was ich euch noch nicht gesagt habe, ist, dass er uns auch etwas Störendes gesagt hat. Seinen Worten nach könnte es nämlich sein, dass entweder wir beide (E und ich) zusammen nach Japan fliegen würden oder aber nur einer oder sogar keiner! Dies würde nämlich von der Anzahl der Stipendiaten aus ganz Brasilien abhängen.

Enttäuschung und Traurigkeit

Aus diesem Titel könnt ihr schon entnehmen, welche Antwort ich wohl bekommen habe. An einem Tag im August rief der Mitarbeiter des Konsulats mich an, um mir mitzuteilen, welche Entscheidung getroffen worden war. Viele Monate wartete ich auf diese Antwort, ohne zu wissen, was ich tun würde, wenn ich dieses Stipendium nicht bekommen würde.

Wie ich euch bereits erzählte, hatte ich mir die allergrößte Mühe gegeben, um dieses Ziel zu erreichen. Als ich den Anruf erhielt, saß ich wie auf glühenden Kohlen. Leider musste ich genau das vernehmen, was ich niemals hatte hören wollen.

Der Mann sagte mir, dass nur einer von uns nach Japan fliegen könnte: Der, der die höchste Note bekommen hatte. Von Anfang an wusste ich, dass meine Note nur die zweitbeste Note gewesen war (gestern habe ich vergessen, das zu erwähnen).

Also, das bedeutete, dass E nach Japan fliegen würde, um dort ein Jahr lang zu studieren. Das klingt fair, da er die höhere Note bekommen hatte. Aber ich bin anderer Meinung. Vielleicht werdet ihr mit mir darin übereinstimmen, nachdem ihr gelesen habt, was ich über E zu sagen habe (und dies ist kein Klatsch).

Unlauterer Wettbewerb

Also, E fing an, an der gleichen Uni zu studieren, und zwar ein Jahr nach mir (ich begann 1998 und er 1999). Aber das bedeutete nicht,  dass mein Japanisch besser als seins/seines gewesen wäre. Ganz im Gegenteil! Nicht bloß beherrschte er Japanisch bereits fließend, sondern er brauchte ein solches Stipendium auch gar nicht. Es stellte sich heraus, dass seine Eltern Japaner waren. Das heißt, er war nicht japanischer Herkunft, so wie einige Brasilianer es sind. Er war japanischer Staatsbürger.

Um sich für dieses Stipendium bewerben zu können, war es verpflichtend, brasilianischer Staatsbürger zu sein. Da er sich darum bewerben konnte, bedeutete dies, dass er einen brasilianischen Reisepass besaß. Wenn er also auch Brasilianer war, dann hatte er das Recht, sich darum zu bewerben. Er trägt keine Schuld daran. Das Problem waren, nach meiner Meinung, die Kriterien für dieses Stipendium.

Es gibt auch viele Leute, die beide Reisepässe haben, den brasilianischen und den japanischen, obwohl dies gegen das japanische Gesetz verstößt. Ich kann nicht genau sagen, ob dies bei ihm der Fall war, aber er lebte wohl 5 Jahre lang in Japan, bevor er anfing, in Brasilien an der Uni zu studieren. Seine Eltern waren Japaner und er lebte 5 Jahre lang bei ihnen in Japan. Warum wollten seine Eltern ihren Sohn nicht amtlich eintragen lassen? Hat er als Brasilianer dort mit einem Visum gelebt? Das glaube ich nicht.

Also, er lernte Japanisch nicht nur durch seine Eltern, was alleine schon ausreichend gewesen wäre, sondern er lebte darüber hinaus auch 5 Jahre lang in Japan. Er ging in eine japanische Schule, hatte japanische Freunde und erlernte die Sprache bereits seit seiner frühesten Kindheit. Wie konnte eine Person wie ich, die nicht japanischer Herkunft war und die niemals in Japan gelebt hatte, sich mit jemandem wie ihm in einem solchen Wettbewerb behaupten?

Ich sollte auch erwähnen, dass E bereits das höchste Niveau der Japanisch-Sprachprüfung JLPT bestanden hatte, bevor er überhaupt anfing, an der Uni zu studieren. Um meine Meinung ganz unverblümt zu sagen: Nicht nur brauchte er dieses Stipendium überhaupt nicht, sondern er hat anderen Menschen auch die Möglichkeit gestohlen, diese Erfahrung machen zu können. Also entweder er oder aber die Menschen, welche die Entscheidung trafen, ihm dieses Stipendium zu geben.

Darüber hinaus möchte ich doch annehmen, dass ein Land doch wohl deshalb beschließt, Stipendien an ausländische Studierende zu vergeben, weil es seine Sprache und Kultur verbreiten möchte. Wie sollte Japan dies erreichen können, wenn es jemandem wie ihm ein solches Stipendium gibt?  Das ergibt doch alles keinen Sinn! Er sprach bereits fließend Japanisch, er lebte in Japan und auch seine Eltern waren Japaner, Herrgott noch mal! Und ich sage dies nicht nur meinetwegen, sondern auch wegen all derer, die, wie ich, niemals im Ausland hätten studieren können, ohne ein solches Stipendium zu bekommen zu können.

Also, obwohl ich der Meinung war, dass mir hier eine Ungerechtigkeit widerfuhr, habe ich mich bei dem Konsulat nicht beschwert. Alles, was ich hier schreibe, behielt ich damals für mich.

Nachdem ich die Nachricht vernommen hatte, legte ich den Hörer auf die Gabel zurück. Ich fühlte mich am Boden zerstört und fing hemmungslos an zu weinen. Es war, als ob meine ganze Mühe umsonst gewesen wäre. Ich erinnere mich daran, dass ich es meiner Mutter erzählte. Sie versuchte, mich aufzumuntern, aber es war sehr schmerzhaft.

Aber, hätte ich nun tun können? Das Leben ist halt so. Leider ist es nicht immer so, wie wir gerne möchten, dass es sein möge. Es ist nicht immer gerecht. Ich stand nun unter tiefem Schock, aber ich musste nun überlegen, was als Nächstes getan werden musste. Ich musste wieder auf die Beine kommen. Das Problem war, dass ich bereits in meinem letzten Jahr an der Uni war. Nach dem Studienabschluss hätte ich mich nicht mehr bewerben dürfen.


Man muss hartnäckig sein, wenn man etwas erreichen will

Also, Selbstmitleid zu haben, die Opferrolle zu spielen, im Bett zu weinen - nichts von alledem hätte mich zu irgendetwas Gutem geführt. Ich fühlte mich, als hätte ich keinen Boden mehr unter meinen Füßen, aber ich musste nun reagieren und überlegen, was zu tun wäre. Tatsache war, dass mein 7. Semester noch bevorstand. Ich glaube, dass mir lediglich noch 6 Fächer fehlten, um mein Studium abzuschließen. Ich musste aber nicht unbedingt alle Fächer in diesem Semester belegen. Deshalb entschied ich mich dafür, mich in diesem Semester nur für 2 Fächer anzumelden. Indem ich das tat, könnte ich ein Jahr länger an der Uni studieren. Mit anderen Worten, ich verschob den Abschluss meines Studiums, sodass ich im nächsten Jahr die Stipendiums-Prüfung noch einmal machen könnte.


Also, ich musste hartnäckig sein, um mein Ziel erreichen zu können. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Es lohnte sich, mich so sehr anzustrengen. Ich fuhr fort, fleißig Japanisch zu lernen. Jeden Tag lernte ich viele Stunden lang. Es war nicht schwer, weil ich es mir sehr stark wünschte. Außerdem hatte ich auch viel Spaß dabei. Die Gelegenheit war einzigartig und ich hatte auch gar kein Geld, um auszugehen und draußen etwas zu machen, selbst dann nicht, wenn ich es gewollt hätte. Zu Hause zu bleiben stellte für mich kein Opfer dar. 


Das Ergebnis meines Bemühens und Beharrens war, dass ich der Einzige war, der die erforderliche Mindestnote erreichte. Deshalb war ich dann der Einzige, der die nächste Prüfungsphase erreichte. Also, wie es auch schon im Vorjahr passierte, musste ich etwa 4 Monate warten, aber schließlich bekam ich die lang erwartete Antwort: Ich war zugelassen worden!