quarta-feira, 16 de setembro de 2020

Jemand schwimmt jetzt in einem Schwimmbad mit kaltem Wasser

 Einmal hat die Firma, bei der ich bis März gearbeitet habe, einen sehr bekannten Schwimmer eingeladen. Also, besser gesagt, sie hat ihn eingestellt, damit er bei uns einen Vortrag hält. Er ist schon seit Langem in Rente gegangen. Jetzt arbeitet er an anderen Dingen, unter anderem hält er Motivationsvorträge. Es war sehr interessant, weil jeder Brasilianer (mindestens in meinem Alter) ihn kennt. Es passiert nicht jeden Tag, die Erfahrungen von einem bekannten Schwimmer persönlich von ihm hören zu können. Etwas, was am bemerkenswertesten für mich war, ist der folgende Satz: Jemand schwimmt jetzt in einem Schwimmbad mit kaltem Wasser.


Was bedeutet das? Kurz gesagt, dass man keine Ausreden benutzen soll, wenn man etwas erreichen will. Er war ein professioneller Schwimmer. Ich kann mich nicht so gut an die Geschichte erinnern, aber es gab Tage, wo kein Schwimmbad mit warmem Wasser verfügbar war. Was sollte er tun? Es ist wesentlich, jeden Tag zu üben, egal, ob das Wasser kalt ist, egal, ob es Winter ist. Wenn jemand nicht schwimmt, also nicht übt, nur weil das Wasser kalt ist, so muss er wissen, dass gleichzeit jemand anders (ein möglicher Konkurrent) an diesem Tag irgendwo anders in einem Schwimmbad mit kaltem Wasser übt. Dieser Unterschied beim Üben kann eine sehr große Rolle spielen, was die Vorbereitung auf einen Wettbewerb angeht.

Diesen Gedanken können wir auch in anderen Situationen benutzen. Zum Beispiel bin ich seit März zu Hause. Ich gehe nicht aus, es sei denn, dass ich einkaufen gehen muss. Ich habe auch meine Mutter zum Arzt begleitet. Ich treffe aber keine Freunde, ich bin an keinen Strand gefahren und ich esse gerade nicht auswärts. Das heißt, ich gehe nicht aus, um draußen Spaß zu haben, weil jetzt keine angemessene Zeit dafür ist. Ja, wegen der Pandemie.

Ich bleibe jeden Tag zu Hause und mein Alltag ist langweilig, weil ich jeden Tag die gleichen Dinge unternehme: Ich esse zu Mittag, Abend und frühstücke, ich lerne Deutsch, ich schaue mir Serien auf Netflix an, ich lese digitale Zeitungen und sehe im Fernsehen Nachrichten über Brasilien und die Welt, ich tausche Nachrichten mit Freunden über unser Alltag u.s.w. aus. Das ist nicht schlecht. Ich bin mir dessen bewusst. Es gibt unfassbar viele Menschen, die weiterarbeiten sollen, auch wenn es gefährlich ist, mit überfluten Bahnen und Bussen zu fahren. Ich habe Glück und ich weiß es. Zu Hause bleiben zu können ist ein Luxus.

Zu wissen, dass es viele Menschen gibt, die viele Schwierigkeiten haben, ist jedoch kein Trost, wenn man sich allein fühlt. Manchmal bin ich nicht so motiviert, weil dieses Leben ganz anders ist als alles, was ich erfahren habe. Ja, das passiert nicht nur mir, sondern allen. Ich weiß es. Nichtsdestotrotz habe ich Höhen und Tiefen gehabt, was meine Motivation zum Lernen betrifft. Das ist normal, aber ich hätte lieber keine solchen Momente, in denen ich auf gar nichts Lust habe. Ich will die ganze Zeit vernünftig verbringen.

Eines Tages wird eine Impfung zur Verfügung stehen und man wird noch einmal alles, was man früher machen konnte, tun können. Dann wird es Zeit, nicht nur zum Pläne schmieden, sondern auch und vor allem zum unternehmen. Wie bereit wird man dann sein? Wie viel wird man sich darauf vorbereitet haben, wenn die Pandemie vorbei ist? Es gibt zu viele Dinge, die wir jetzt nicht machen können, aber wir können uns auf die Zukunft vorbereiten. In meinem Fall kann ich so viel wie möglich Deutsch lernen.

Wenn ich nicht motiviert bin, denke ich an den Satz über das Schwimmbad mit kalten Wasser. Es ist nicht so, als ob ich an einem Wettbewerb der deutschen Sprache teilnehmen würde, aber es geht darum, die Zeit gut zu nutzen. Am Ende des Tages bin ich vielleicht schon in einem Wettbewerb, in dem ich nicht gegen Andere konkurriere, sondern gegen mich selbst. Wie viel besser wird der künftige Vitor sein, wenn man ihn mit dem Vitor aus dem März 2020 vergleicht? Ich will ein außergewöhnlich besserer Vitor sein als der Vitor vor der Pandemie. Ich werde sagen können: Es war eine sehr lange Zeit, aber jetzt kann ich viel besser Deutsch sprechen und verstehen als früher. Mindestens konnte ich etwas Gutes daraus machen!

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